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„Der verantwortungsvolle Vertriebskanal von Tabak über die Trafik ist mehr gefragt denn je“: Monopolverwaltungs- Geschäftsführer Hannes Hofer im Filterlos-Interview

„Die Branche ist krisenresistent“

27.06.2017

Seit zwei Jahren ist Hannes Hofer Geschäftsführer der Monopolverwaltung (MVG). Im Filterlos-Interview spricht er über die jüngste Rechnungshof-Kritik, seine Pläne und die Zukunft der Branche.

Filterlos: Seit den Berichten über die Rechnungshof-Kritik sind jetzt einige Wochen vergangen. Aus dieser Distanz betrachtet: Wo können Sie die Kritik nachvollziehen? Welche Angriffe waren unberechtigt?

Hannes Hofer: Der Rechnungshof hat den Auftrag, kritisch zu sein. Kritik ist gut, weil sie der Garant ist, besser zu werden. Auch die MVG kann besser werden. Im Rechnungshofbericht selbst sind 16 Empfehlungen an die MVG gerichtet, die sich auf den Prüfzeitraum von 2011 bis 2016 beziehen. Ich habe meine Tätigkeit im Sommer 2015 angetreten und mit einer Strategiearbeit begonnen, die vor allem auch den Status quo analysiert hat. Da decken sich etliche Ergebnisse mit jenen des Rechnungshofs. Ungerecht finde ich, dass in der medialen Berichterstattung kein Unterschied gemacht wurde, wie der aktuelle Status ist und wie er 2015 ausgesehen hat. Etwa beim Thema Strategie: Wir haben sie im Dezember 2015 dem Aufsichtsrat vorgelegt, dieser hat sie beschlossen. Bei Fachgruppentagen und im Tätigkeitsbericht 2015 haben wir zudem ausführlich darüber berichtet. Somit ist der Rechnungshof-Vorwurf, die MVG habe keine Strategie, einfach falsch!

Filterlos: In welchen Punkten sehen Sie jetzt tatsächlichen Handlungsbedarf?

Hofer: Gemäß unserer Strategie sehe ich Handlungsbedarf in drei Themenschwerpunkten: Stärken des Tabakmonopols, operative Exzellenz und Optimierung der Kernprozesse. Beim Monopol ist das zentrale Thema der Jugendschutz. Wir haben eine flächendeckende Kontrolle eingeführt und die formalen Voraussetzungen geschaffen. Ein gemeinsames Konzept mit dem Bundesgremium war für die Anpassung der Bestellungsverträge notwendig. Die Messungen zeigen, dass rund 70 Prozent der Fachgeschäfte die Ausweiskontrollen ernst nehmen - das ist noch deutlich zu wenig. Zur Steigerung der Quote von Tabakfachgeschäften, die von Menschen mit Behinderung geführt werden, haben wir 100 Prozent der neu vergebenen Trafiken an Vorzugsberechtigte vergeben. Die Diskussion zum Erbparagrafen haben wir geführt, sind aber zum Schluss gekommen, dass man dabei die Trafikanten nicht noch weiter verunsichern sollte.

Zur operativen Exzellenz: Nach Erstellung der Unternehmensstrategie wollen wir auch in anderen Fachbereichen Strategien erstellen. Zuletzt haben wir das bei der Nahversorgung gemacht und im Aufsichtsrat beschlossen. Hier hatte der Rechnungshof recht, dass eine schriftliche Dokumentation bisher nicht vorlag, ein einheitliches Konzept und einen klaren Fokus auf Tabakfachgeschäfte gab es aber schon lange. Den Rahmen dafür gibt das Gesetz vor. Dem Rechnungshof-Hinweis, Optimierungspotenzialen nachzugehen, gehen wir laufend nach. Zum dritten Punkt: Vor allem der Hinweis auf mehr Ausschreibungen statt Freihandvergaben wurde auch von uns erkannt. Allerdings mussten vor einer Umsetzung die Rahmenbedingungen angepasst werden. Erst durch eine von uns initiierte Gesetzesnovelle können wir Ausschreibungen, bei denen kein gültiges Angebot eines Vorzugsberechtigten vorliegt, widerrufen. Zuvor war die Garantie einer Vergabe an Menschen mit Behinderung nur bei einer Freihandvergabe möglich. Die Überarbeitung der Höhe der Monopolabgabe wurde von der MVG als ein Punkt eines Trafikpakets vor einem Jahr dem Finanzministerium vorgeschlagen.

Filterlos: Bei welchen Themen planen Sie Änderungen und welcher Zeitrahmen ist dafür realistisch?

Hofer: Die bedeutendste noch nicht berücksichtigte Empfehlung des Rechnungshofs richtet sich an den Gesetzgeber. Es wird eine Anpassung des Erbparagrafen verlangt. Darüber wird derzeit im Parlament diskutiert.

Filterlos: Welche Chance sehen Sie für eine Umsetzung der Forderung des Bundesgremiums, dass von den Trafikanten an die MVG eingezahlte Beträge wieder direkt den Trafikanten und nicht dem Finanzministerium zugute kommen sollen?

Hofer: Wie erwähnt, haben wir selbst diese Forderung im Ministerium deponiert. Das Thema will man dort im Paket lösen. Ich gehe davon aus, dass sich die Monopolabgabe ab 2018 reduzieren wird.

Filterlos: Welche Chancen sehen Sie in Zeiten immer strenger werdender Gesetze für die Zukunft des Berufsstandes der Trafikanten?

Hofer: Ich sehe die Branche als relativ krisenresistent. Während der Handel generell mit dem Megatrend Onlineshops kämpft, ist die größte Herausforderung für die Trafikanten der allgemeine Trend in Richtung mehr Gesundheit. Niemand denkt über ein generelles Verbot der Zigarette nach. Somit ist der verantwortungsvolle Tabak-Vertriebskanal über die Trafik mehr gefragt denn je. Dieser Bedeutung müssen wir uns bewusst sein. Die politischen Gespräche zur Verbesserung der ökonomischen Situation der Trafikanten laufen zuletzt gut. Es ist mit einem Anstieg des Wirtschaftsnutzens zu rechnen. Das sollte den Rückgang der Zigaretten-Verkaufszahlen mehr als ausgleichen und damit die Zukunft sichern.

Filterlos: Sind beim Produktangebot Änderungen zu erwarten?

Hofer: Wir alle sind gefordert, über Innovationen nachzudenken, die mit den wesentlichen Merkmalen der Marke Trafik zusammenpassen. Der weltweite Trend zur Liberalisierung von Cannabisprodukten ist in Österreich noch nicht angekommen, wir müssen jedoch bereit sein, wenn es so weit ist. Ich erinnere aber nochmals an die Bedeutung des Jugendschutzes!

Filterlos: Rechnen Sie nach der Strukturbereinigung mit einem weiteren Rückgang der Trafikantenzahlen in Österreich?

Hofer: Bei Tabakfachgeschäften sollte der Rückgang unter einem Prozent pro Jahr liegen, bei Tabakverkaufsstellen deutlich höher. Diesen Trend werden wir zur Stärkung der Fachgeschäfte nutzen, sie bedeuten unternehmerische Existenz für Menschen mit Behinderung!

Filterlos: Zu Ihrer Bilanz: Welche Verbesserungen haben Sie seit Ihrem Antritt als MVG-Geschäftsführer für die Trafikanten erreicht?

Hofer: Da ist vor allem die systematische Arbeit anhand einer klaren Unternehmensstrategie zu nennen. Österreichs Tabakmonopol soll ein Modell für ganz Europa sein. Neu ist auch, dass wir die Ergebnisse unserer Arbeit messen und Kennzahlen ausweisen. So wird die Branche ernst genommen - ein Baustein für ein hoffentlich positives Verhandlungsergebnis für das Trafikpaket, von dem die Trafikanten profitieren werden.

Filterlos: Und wer ist Hannes Hofer privat?

Hofer: Ich bin verheirateter Vater von drei Kindern. Von meinen sportlichen Aktivitäten ist das Laufen im Wald mit den zwei Hunden geblieben. Wertschätzung ist mir privat wie auch beruflich wichtig. Ich nutze die Gelegenheit, mich bei den Trafikanten und allen Branchenteilnehmern für wertschätzendes Miteinander zu bedanken. Das ist die Basis, um die Zukunft zu meistern. Gemeinsam sind wir stark!

Interview: Wolfgang Maget