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Copyright: Johann Gallée
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(v.l.): Alec Bradley – Black Market „Filthy Hooligan 2015“, Gilbert de Montsalvat – Dominican Style Toro, Flor de Selva – „El Galan“ Perfecto, Patoro Serie P – Methusalem Robusto, Cuesta Rey – Centro Fino No. 60 Sungrown Toro, Casa de To

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Der Reiz der Vielfalt

10.05.2017

Zigarren sind in unterschiedlichen Formen, Größen, Farben und Geschmacksrichtungen erhältlich. Sich durchzuprobieren lohnt sich. Mit Sicherheit ist für jeden Geschmack, jeden Anlass und jeden Zeitrahmen etwas dabei.

Ganz gleich, ob man eine Zigarre betrachtet, sie in Händen hält oder an ihr riecht: Das Deckblatt ist es, das zunächst unsere Wahrnehmung beeinflusst. Dieser erste Eindruck, den eineZigarre optisch, haptisch oder olfaktorisch hinterlässt, ist auch oft ausschlaggebend, zu welchem Produkt man beim Kauf einer Zigarre greift. Dabei spielt es keine Rolle, ob man ein Neuling auf dem Gebiet des Zigarrenrauchens ist oder als Aficionado gerne einmal etwas Neues ausprobieren möchte. Wie dem auch sei: Das Deckblatt einer Zigarre sagt sehr viel über sie aus.

Deckblätter werden u. a. nach dem für den Anbau verwendeten Samen (z. B. Criollo, Corojo, Piloto Cubanoetc.), nach der Anbauregion (Kuba, Dominikanische Republik, Nicaragua, Costa Rica, Honduras, Sumatra, Kamerun, Connecticut etc.), nach Art und Dauer der Fermentierung sowie der Trocknung und Weiterverarbeitung des Tabaks unterschieden. Bereits beim Anbau legen alle namhaften Zigarrenhersteller und Tabakbauern höchste Sorgfalt auf die Tabakpflanzen, deren Blätter als Deckblätter verwendet werden. Qualitätsmerkmale eines Deckblattes sind u. a. Elastizität, eine ebenmäßige, ölig glänzende Oberfläche ohne große, sichtbare Adern sowie eine einheitliche Farbe ohne Flecken und Risse.

Von Grün bis Schwarz

Realtiv einfach lassen sich Zigarren optisch nach ihrer Farbe unterscheiden:

• Claro Claro, Double Claro, Candela oder Jade genannt: helles Grün

• Claro: helles Braun, sandfarben (z. B. ein typisches Conneticut shade-grown Blatt)

• Colorado Claro: mittelbraun

• Colorado: dunkelbraun mit Rottönen

• Colorado Maduro: dunkelbraun

• Maduro: dunkelbraun bis fast schwarz

• Oscuro: schwarz

Der Einfluss des Deckblatts auf den Geschmack der Zigarre kann bis zu 40 Prozent betragen und lässt durchaus Rückschlüsse auf das zu erwartende Raucherlebnis zu. Allerdings sollte man von seiner Farbe keine falschen Rückschlüsse auf die Stärke der Zigarre ziehen, wie Johann Gallée, tätig in Beratung und Verkauf bei Dios Tabaccos und seit 16 Jahren selber Zigarrenraucher, erklärt: "Gerade Maduro-Deckblätter sind süßer und intensiver im Geschmack, weil sie mehr Öl und Zucker enthalten als helle Blätter. Kakao- und Schokoladenoten findet man daher in erster Linie bei Maduro-Deckblättern." Eine Ausnahme bilden hier die Oscuro-Deckblätter: Durch den fortgeschritteneren Reifeprozess wurde in den Blättern auch der Restzucker abgebaut und dadurch schmecken sie herber.

Für Einsteiger

"Newcomern" seien Zigarren mit schwächerem Nikotingehalt, wie z. B. die Joya de Nicaragua Cabinetta-Serie empfohlen. Klassische Einsteigerzigarren seien z. B. Zigarren von La Unica, die Santa Damiana oder von Samana, so Gallée. Auch die Scheu vor großen Formaten sei hier fehl am Platz, weil sich gerade Zigarren mit großem Ringmaß, wie z. B. Robusto, für Einsteiger eignen. Diese lassen sich durch den großen Durchmesser leichter und kühler rauchen und sind dadurch angenehmer im Geschmack. Bei langen und dünnen Formaten bestehe die Gefahr des Heißrauchens.

Die Zigarrenformen

Auch die Form einer Zigarre nimmt Einfluss auf ihren Geschmack. Man unterscheidet zwei Grundformen der Zigarre: Die Parejos und die Figurados. Eine Sonderform stellen Culebras dar.

Parejos

Als Parejos (spanisch "parejo" für"gleich") bezeichnet man alle Zigarren, deren Körper zylindrisch verläuft. Gängige Vertreter sind u. a. die Formate Corona, Robusto, Toro, Lancero und Churchill.

Figurados

Zu den Figurados zählen all jene Zigarrenformate, die unregelmäßig geformt sind. Ein oder auch beide Enden der Zigarre laufen spitz zu, und ihr Körper ist unterschiedlich dick. Bekannte Formate sind hier beispielsweise Pyramide oder auch Torpedo mit einem spitzen Ende. Die Perfecto weist zweispitze Enden auf. Als weitere Beispiele seien hier die beiden großformatigen Perfectos Salomones und Diademas erwähnt. Erwähnenswert ist an dieser Stelle, dass das Ringmaß einer Figurado immer an ihrer stärksten Stelle gemessen wird.

Culebras

"Culebra" kommt aus dem Spanischen und bedeutet "Schlange". Die Zigarrenform bezeichnet drei miteinander verflochtene Zigarren, die zum Rauchen auseinander genommen und einzeln konsumiert werden. Ihre Form hat übrigens historische Bedeutung: Die Zigarrendreher wurden früher mit Naturalien, sprich den Culebras, bezahlt. Weil diese für den Eigenbedarf gedacht waren und nicht weiterverkauft werden durften, wurden sie geflochten. Dazu musste das Tabakblatt relativ frisch sein, damit es beim Flechten nicht einriss.

Geschmacksfrage

Je nach Anbauregion lassen sich den Deckblättern geschmackliche Eigenschaften zuschreiben:

• Dominikanische Republik: Eher mild im Geschmack, z. B. Zigarren von Santa Damianaoder Samana

• Honduras: Vollerer Körper, etwas würziger im Geschmack als Deckblätter aus der Dominikanischen Republik, z. B. Zigarren von Flor de Selva oder Flor de Copan

• Brasilien: Voller Körper, würziger, voller Geschmack, z. B. Dannemann Artist Line Reserva 2006 (Puro Brasilien) oder die Patoro Serie Brasil

• Ecuador: Mild, eher schwach aromatisch, z. B. Zigarren von Puros Indios

• Kuba: Mittelvoller bis voller Körper, würzig aromatisch, z. B. Zigarren von Ramón Allones, Montecristo oder Partagas

• Nicaragua: Mittelvoller bis voller Körper, aromatisch, pfeffrig, z. B. Zigarren von Joyade Nicaragua oder der Familie Garcia

• Kamerun: Süß und würzig im Geschmack, kräftig, auch pfeffrig, z. B. die Patoro Serie P oder von La Aurora die Cameroon.

... und Rauchgenuss

Bei den unregelmäßig geformten Figuardos kann man durch den Anschnitt der Zigarre selbst die Größe der Rauchöffnung und somit das Rauchvolumen bestimmen, wie Johann Gallée erklärt: "Nimmt man z. B. eine Pyramide mit großem Ringmaß - sprich: der Fuß der Zigarre bietet eine große Brandfläche - und schneidet nur ein kleines Stück vom Kopf der Zigarre ab, ,zwingt' man eine große Rauchmenge durch einen kleinen Anschnitt. Man kann somit kontrollieren, an welcher Stelle der Rauch die Zunge und somit die Geschmacksknospen als erstes und in welcher Intensität berührt. Auch lässt sich das Zugverhalten der Zigarre durch die Größe des Anschnitts steuern."

Je dicker eine Zigarre ist, desto größer ist meist nicht nur ihr Rauchvolumen. Anteilmäßig werden auch mehr Einlagetabake in die Zigarre gepackt, wodurch sich die Geschmacksvielfalt und Komplexität besser steuern lassen. Hier rückt der Eigengeschmack des Deckblattes eher in den Hintergrund. Umgekehrt genießt man bei schlanken Formaten wie Lancero oder Lonsdale pro Zug anteilig mehr vom Deckblatt.

Kleinere Zigarren sind meist stärkere Zigarren, da man versucht, möglichst viel Geschmack auch in kleine Formate hineinzupacken, erklärt Gallée, der selber Zigarren aus dem Sortiment der Marke Ramón Allones bevorzugt und auch gerne zur Joya de Nicaragua Black oder Antano 1970 greift. "Seit März dieses Jahres führen wir bei Dios Tabaccos die Robusto auf dem Markt. Ab Anfang Juni wird die Torro erhältlich sein."

Quelle: www.dios-tabaccos.com