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Markus Fallenböck (Verlagsgruppe News) bemüht sich um eine gute Beziehung zu den Trafikanten: „Wir versuchen schon, den Einzelverkauf zu pushen!“

„Medien müssen vom hohen Ross herunterkommen“

10.05.2017

Markus Fallenböck hat Ende 2014 die Gesamtleitung für Vertrieb und Data Management der Verlagsgruppe News übernommen. Im Gespräch mit Filterlos spricht der Jurist über die Trafikanten als wichtige Partner, über Medien als Konsumgüter und neue kreative Initiativen.

Filterlos: Herr Fallenböck, wie wichtig sind reine E-Paper-Abos für die Verlagsgruppe News?

Markus Fallenböck: Wir haben immer die Pricing-Politik betrieben, dass wir E-Papers definitiv nicht verschenken. Unser Fokus liegt aber darauf, ein Kombi-Paket zu verkaufen. Wir wollen den Kunden den Gesamtzugang zu Print und E-Paper geben. Wir bieten E-Paper "stand-alone" natürlich an, bewerben das aber nicht besonders groß. Denn es ist so, dass viele Leute bei Magazinen immer noch Print wollen.

Filterlos: Ist Haptik also ein Verkaufsargument auch für den Vertrieb?

Fallenböck: Wir leben von der Haptik und der Optik. Ich glaube auch, dass wir Magazine wieder mehr in das Thema Haptik und Optik investieren müssen. Das ist natürlich eine Kostenfrage. Es ist aber auf jeden Fall etwas, das man sich für die Zukunft überlegen muss. Das zeigen ja auch kleine Magazine, Kundenmagazine, die am Tisch liegen und fast ein Schmuckstück sind. Das ist natürlich mit unseren hohen Auflagen nicht ganz so einfach. Wir haben teilweise schon investiert, im Rahmen des Möglichen, zum Beispiel Autorevue hat ein schönes Papier. Für uns im Vertrieb ist das ein großes Thema, natürlichauch im Einzelverkauf. Lackiertes Cover oder nicht, das ist einfach ein wichtiges Thema. Wie dick es ist, wie es sich anfühlt, spielt eine Riesenrolle.

Filterlos: Worauf liegt Ihr Augenmerk beim Einzelverkauf?

Fallenböck: Wir machen einiges im Bundle-Bereich, Woman und Gusto zum Beispiel, die sich gut zusammen verkaufen. Im Einzelverkauf ist das große Problem, dass uns viele wichtige POS-Schienen fehlen. Wir sind in den Trafiken, wir sind im Lebensmitteleinzelhandel, aber uns fehlen der ganze Drogeriemarktbereich und der Baumarktbereich. Dort sind wir als Medien insgesamt nicht vertreten, und das ist ein Thema, an dem wir intensiv arbeiten. Die Kundenströme bewegen sich nun einmal und wir müssen ihnen folgen. Wir müssen als Medien im Einzelverkauf ein bisschen kreativer und auch ein bisschen demütiger werden, weil wir uns alle immer noch als einzelnes Produkt sehen. Wenn Sie in die Konsumgüterindustrie schauen, machen die schon lange Bundles. Dann bin ich eben nicht das Hauptprodukt, sondern der Kunde kauft einfach einen trend dazu. Da müssen Medien auch ein bisschen vom hohen Ross herunterkommen und sich als Konsumgüter betrachten, die sie ja auch sind. Wir müssen uns da Handels-Know-how aufbauen und uns überlegen, mit welchen Partnern wir das tun können. Wir werden uns dafür auch neue Modelle überlegen müssen.

Filterlos: Im April hat die VGN einen Platzierungswettbewerb für ihre vier stärksten Titel gestartet. Man kann dabei einen 200-Euro-Gutschein gewinnen, wenn man die Zeitschriften möglichst sichtbar platziert. Wie hoch sind Ihre Erwartungen?

Fallenböck: Wir haben jetzt länger keine solche Aktion gemacht. Uns geht es darum, die Zusammenarbeit zu verbessern, um bessere Platzierungen und bessere Verkäufe. Wir wollten gemeinsam mit den Trafikanten eine Aktion starten, um uns um die Trafiken zu kümmern, die für uns wichtige Vertriebspartner sind, und diese auch zu motivieren, Titel der VGN schlicht und ergreifend besser zu platzieren. Wir hoffen, dass wir damit auch die Zusammenarbeit mit den Trafikanten weiter verbessern.

Filterlos: Trafikanten haben derzeit an allen Produktfronten mit Herausforderungen zu kämpfen. Wie steht es unter diesen Bedingungen um das Naheverhältnis der VGN zu den Trafikanten?

Fallenböck: Wir bemühen uns um die Beziehungen und haben auch zum Gremium einen guten Draht. Wir haben auch einige Dinge gemeinsam gemacht, wie eben das Trafik-Abo. Für uns sind die Trafikanten einfach ein wichtiger Vertriebskanal, vor allem für Titel wie trend und profil. Das sind klassische Trafikprodukte. Deshalb auch hier der Versuch, wieder gemeinsam etwas zu tun. Das läuft ja auch über Morawa, den Morawa-Außendienst, und wir freuen uns schon auf die ersten Ergebnisse, auf viele schöne Platzierungen und hoffen, dass wir besser platziert sind und gemeinsam mehr verkaufen.

Filterlos: Welche Initiativen gibt es, um den Einzelhandel zu beflügeln?

Fallenböck: Wir tun einiges. Eines davon ist dieser Platzierungswettbewerb für die Trafiken, recht erfolgreich sind wir bei Bundle-Produkten. Das dritte Thema, das wir jetzt sehr forcieren, ist das Thema Gutscheine, auch auf verschiedenen Plattformen, sowohl in Print bei uns im Heft als auch in sozialen Medien zum Beispiel. Da ist Gusto sehr erfolgreich. Wir haben jetzt beim Interspar sehr erfolgreich mit einem Dispenser eine Einsplus-eins-Aktion durchgeführt, werden jetzt aber auch noch andere Aktionen machen. Wir versuchen also schon, den Einzelverkauf zu pushen, natürlich im Rahmen der Möglichkeiten. Man muss schon sagen: Die Werbebudgets der Neunzigerjahre stehen nicht mehr zur Verfügung. Jetzt muss man andere Wege suchen, kostengünstigere.

Interview: Tatjana Lukáš

Zur Person
Markus Fallenböck hat Ende 2014 als Chief Sales Officer B2C, CSO die Gesamtleitung für Vertrieb und Data Management der Verlagsgruppe News übernommen. Der Jurist verantwortet die Bereiche Einzelverkauf, Abo und Großverkauf aller Magazine und E-Paper-Angebote sowie alle CRM-Aktivitäten der Verlagsgruppe. Mit der Herstellung fällt ein weiterer Bereich in sein Verantwortungsgebiet.